Bohren

Das Bohren von Löchern erscheint oft als die einfachste Sache der Welt. Doch ganz so ist es nicht. Wer hat nicht schon erlebt, dass ein mit einem Bohrer von 3 mm O gebohrtes Loch so groß wurde, dass eine Welle mit ebenfalls 3 mm t) darin geklappert hat. Das kam daher, dass der Bohrer unsymmetrische Schneiden hatte. Schon beim Erwerb kann man feststellen, dass sie mitunter unsymmetrisch angeschliffen sind und dadurch die Spitzen der Bohrer außerhalb der Mitte liegen. Ebenso sind mitunter die Schneiden

nicht im gleichen Winkel angeschliffen. Wenn die Spitze eines Bohrers auch nur um 0,1 mm außerhalb der Mitte liegt, so wird ein mit diesem Bohrer gebohrtes Loch um 0,2 mm größer als das Nennmaß des Bohrers.

Es ist nun anzunehmen, dass nicht alle Bastler und Modellbauer in der Lage sind, einen Bohrer symmetrisch anzuschleifen. Aus diesem Grunde ist es stets von Vorteil, wenn man Löcher, auf deren Maßeinhaltung es besonders ankommt, zunächst mit einem kleineren Bohrer vorbohrt und erst dann mit dem Maßbohrer nachbohrt bzw. aufreibt. Beim Nachbohren oder auch beim Aufreiben mit einer Reibahle dürfen sich beide nicht zu schnell drehen. Eine elektrische Handbohrmaschine ist dazu weniger geeignet als eine mit der Hand betriebene. Beim Bohren mit der elektrischen Handbohrmaschine wird meist zu schnell gebohrt, so dass bei genauen Arbeiten das Gefühl dafür verloren geht. Je größer der Bohrer oder auch je härter das Metall ist, um so langsamer muss sich der Bohrer drehen. Ein Spiralbohrer — richtiger ist die Bezeichnung „Wendelbohrer" — besitzt zwei Arten von Schneiden. Die Schneiden an der Spitze dringen in das Material ein, während die Schneiden längs der Wendel die Lochwand bearbeiten sollen. Letztere sind hinterfräst, damit der Bohrer nicht klemmt. Die stehen gebliebenen Stege hinter den Längsschneiden nennt man Fasen. Sie geben dem Bohrer die Führung. Wenn beim Bohren von hartem Material das Schmieren unterlassen wird, schleifen sich diese Fasen ab, und der Bohrer wird dadurch unbrauchbar. Das Anschleifen eines solchen abgenutzten Bohrers ist nur dann noch zu empfehlen, wenn es nicht zu weit unten am Schaft geschieht. An dieser Stelle ist der Bohrer nicht mehr hart genug und ist zum Bohren ungeeignet.

Beim Bohren bildet sich oft ein recht lästiger Grat, der mitunter unvermeidlich ist. Besonders bei zähem Material, z.B. bei Blechen oder bei stumpfen Bohrern. Man kann sich an ihm nicht nur ganz empfindlich verletzen, sondern er ist auch sonst noch recht hinderlich, wenn mehrere Teile miteinander verschraubt werden sollen und sich der Grat in das Schraubengewinde eindrückt. An später unzugänglichen Stellen ist dann das Lösen von Schrauben mit Schwierigkeiten verbunden. Welcher Modellbauer hat nicht seine zusammengesetzten Teile mehrmals wieder auseinander nehmen müssen? Deshalb sollte jedes gebohrte Loch vorher entgratet werden. Wenige Umdrehungen mit einem etwas größeren Bohrer, als der Lochdurchmesser beträgt, sind dazu nur notwendig. Der Bohrer soll dazu auch nur mit der Hand gedreht werden. Ich habe mir eigens für diesen Zweck einen Bohrer in ein Feilenheft geschlagen. Man findet ihn leichter und kann ihn auch besser handhaben.

Will man einen Rohrinnendurchmesser durch Aufbohren erweitern, so wird wohl in den meisten Fällen das Rohr in den Schraubstock gespannt werden. Wer hat nicht dabei schon erlebt, dass der Bohrer bald an der Außenwand erschien, um gegebenenfalls auch bald abzubrechen. Wenn die Größenverhältnisse der Bauteile es zulassen, ist es aussichtsreicher, wenn die Bohrmaschine in den Schraubstock, das aufzubohrende Rohr in das Futter der

Bohrmaschine und der Bohrer in einen Feilkloben gespannt werden. Auf diese Weise zentriert sich der Bohrer von selbst. Kleine Löcher, etwa bis 1,5 mm 0, lassen sich auf diese Art sogar in Vollmaterial bohren. Dabei ist allerdings vorauszusetzen, daß der Körner in der Mitte des Rundmaterials angebracht wurde. Auch diese Löcher lassen sich nun wieder, wie beschrieben, erweitern. Selbstverständlich kann man nicht etwa ein Loch gleich von 1,5 mm 0 auf 6 mm 0 erweitern. Das lässt sich nur stufenweise von mm zu mm erreichen. Aber was macht man nicht alles, wenn man keine Drehbank hat. Hierbei kommt es ja nicht auf die Wirtschaftlichkeit an, sondern eben nur darauf, daß man es überhaupt kann.

Zum Bohren in zähes Material - das sind alle Bleche und Rohre aus Messing und Kupfer — darf der Bohrer nicht zu scharf angeschliffen sein. Ein sehr scharfer Bohrer zieht sich sofort in das Material hinein, klemmt sich fest und bricht ab. Aus so genannten Sacklöchern, das sind nicht durchgehende Löcher, lassen sich Bohrerbruchstücke nur mit viel Mühe entfernen. Nicht selten wird dadurch das ganze Teil unbrauchbar, weil das abgebrochene Bohrerstück sich nicht entfernen lässt. Ist der Bohrer heil geblieben und man setzt zum zweiten Mal an, um zu bohren, so kann bei größeren Bohrern das Werkstück aus der Hand gerissen werden und zu Verletzungen an der Hand führen. Um nun dem allen zu begegnen, zieht man die Bohrerschneide auf einem Abziehstein ganz leicht ab und macht sie dadurch etwas stumpf. .Der Bohrer schabt nun mehr als er schneidet.

Als bewährte Schmiermittel zum Bohren verwendet man bei Stahl (Eisen) Rüböl, Bohremulsion, Seifenwasser oder wenigstens Wasser. Bei zähem, legiertem Stahl ist Terpentinöl sehr vorteilhaft. Messing kann man trocken bearbeiten, dagegen Kupfer verlangt Petroleum. Aluminium kann ebenfalls mit Petroleum, aber auch mit Spiritus geschmiert werden. Isoliermaterial bohrt man trocken. Sollte auch mal Elektron bearbeitet werden müssen, so muss die Schnittgeschwindigkeit niedrig gehalten werden. Dieses hat einen hohen Magnesiumgehalt und kann bei starker Erwärmung leicht Feuer fangen. Elektron ist ein sehr leichtes Metall und wird deshalb gern zum Flugzeugbau verwendet.

Um beim Bohren weicher und auch spröder Werkstoffe, wie Holz, Pertinax, Pressstoff usw., das Ausreißen zu vermeiden, wenn der Bohrer auf der anderen Seite durchdringt, legt oder spannt man ein Stück Hartholz dahinter. Ein sehr sauberes Loch auch auf der Rückseite ist dann der Lohn für diesen einzigen Handgriff.

Wirklich runde Löcher in Bleche, besonders in ganz dünne, mit einem Spiralbohrer zu bohren, wird wohl in jedem Fall recht schwierig sein. Meist entstehen dabei nur Vielecke. Hierzu verwendet man grundsätzlich nur Zapfensenker.