Ein Loch ist im Eimer.....Kolben
Kolbenboden durchgebrannt
Ein mit Resonanzrohr betriebener ABC- Motor, der bis zum Ausfall nur sehr wenige Betriebsstunden absolviert hatte, blockierte plötzlich während des Betriebes. Zuvor fiel dem Piloten auf, dass der Motor im Vollgasbereich immer wieder an Leistung verlor. Nachdem der Zweitakter abgekühlt war, ließ er sich unwillig durchdrehen, an ein erneutes Starten war aber aufgrund des Schwergangs nicht zu denken.,
Schadensbild
Bei der Demontage zeiget sich dann nicht nur- wie erwartet- ein kräftig verriefter Kolben und Zylinder, sonder auch- unerwartet- ein knapp 3 Millimeter durchmessendes Loch fast mittig auf dem Kobenboden. Der Kolben wies zudem auf dem Boden und dem auslassseitigen Hemd starke Schmauchspuren auf, die unter anderem ein reichlich kurz eingestelltes Resonanzrohr verraten.
Eingesetzt wurde ein Kraftstoff mit 15% Syntheseölanteil und etwa gleich viel Nitro. Das Resorohr war englischer Herkunft. Der Motor wurde bereits nach wenigen Tankfüllungen- also noch nicht richtig eingelaufen- hoch belastet.
Schadensursache
Ein durch geschmolzenes Loch im Koben rührt immer von extremer örtlicher Überhitzung her. Das kann viele Ursachen haben, zum Beispiel viel Nitro und zu kurz abgestimmtes Resorohr im Verbund mit viel Vollgas und knapper Vergasereinstellung; in der Regel treffen mehrere Fehler zusammen.
Je druckfester der Schmierfilm des Motorenöls ist, um so länger hält der Motor extreme Überlast durch. Besteht ein thermisch nur instabiler Schmierfilm, dann frisst sich der Kolben relativ früh fest. Bei einem guten Schmieröl, das auch bei hohen Temperaturen relativ zähflüssig bleibt, trägt der Schmierfilm zwischen Kolben und Zylinderlaufbahn bei Überhitzung länger, der Motor heizt sich noch weiter auf, und im Extremfall kommt es dann dazu, dass im Brennraumbereich die Schmelztemperatur des Materials erreicht wird und letztendlich der Kobenboden durchschmolzen wird. Dieser Gefahrenbereich ist mit etwas Aufmerksamkeit oft zu erkenne, da dermaßen überhitzte Triebwerke unmittelbar vor dem Kollaps nicht mehr die volle Leistung abgeben können und durchaus zum mehr oder weniger stark ausgeprägtem Klemmen neigen.
Schadensvermeidung
Je mehr Nitromethananteil der Kraftstoff enthält, um so aufmerksamer muss eine zu magere Vergasereinstellung vermieden werden. Denn mit nitriertem Kraftstoff laufen "spitz" eingestellte Motoren wesentlich heißer. Wichtig ist auch, dass das Triebwerk nicht auspuffseitig zugestopft wird; ein zu kurz montiertes Resorohr oder eine gut gemeinte, aber unglücklich durchgeführte Zusatzschalldämpfung behindern das vollständige Ausatmen der Abgase, Brandgase verbleiben im Brennraum, und (auch) der Koben heizt sich gefährlich auf.
Ein deutliches, aber merkbares Gefahrensignal für höchstgefährliche Überhitzung ist, wenn der betriebswarme Motor im Vollgasbereich Leistung verliert. Drosselt man nun kurz, kühlt der Motor etwas ab, er nimmt danach kurzzeitig wieder das Gas richtig an, heizt sich dann natürlich wieder auf- und die Leistung bricht wieder ein. Höchste Gefahr, hier hilft nur sofort drosseln (zwischenlanden) und anschließend den Vergaser an der Hauptdüsennadel etwas fetter zu stellen.
Tipp
Ein weiteres Indiz für das Erkennen von Überhitzung kann- sehr schön zu sehen beispielsweise beim Hubschrauberfliegen- die Abgasfahne sein. Allerdings muss man dazu seinen Motor und den verwendeten Kraftstoff sehr gut kennen. Synthetische Öle mit hohem Flammpunkt verbrennen im Regelbetrieb nur unvollständig. Eine unvollständige Verbrennung hinterlässt immer eine deutliche, blaugraue Abgasfahne. Je heißer nun der Motor wird, um so vollständiger verbrennt das Schmieröl, und je vollständiger eine Verbrennung erfolgt, desto geringer wird die Qualmwolke. Wer also seinen Antrieb kennt und plötzlich feststellt, dass bei hoher Motorbelastung die Abgasfahne- im Gegensatz zu sonst- immer schwächer wird, könnter dies als Hinweis für eine gefährliche Überhitzung werten.
Als allgemein gültiges Rezept für eine lange Motorlebensdauer gilt: Die Vergasereinstellung immer so fett halten, dass die mögliche Vollgasdrehzahl immer etwas unterschritten bleibt. Nur soviel Nitromethan verwenden, wie der Motor zum runden Lauf benötigt. Je mehr Schmieröl im Kraftstoff, um so größer sind unter anderem die Reserven für Schmierung, Innenkühlung sowie Korrosionsschutz. Und- last, but not least- eine gefühlvolle Gashand.......