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Die Wrights... Vier Flüge. Erfolgreich. Donnerstagmorgen. Alle gegen einen Wind von 21 Meilen. Start vom Boden allein mit Maschinenkraft. Durchschnittliche Geschwindigkeit in der Luft: 31 Meilen. Längster Flug: 57 Sekunden. Informiert die Presse zu Hause." Ihre Großtaten telegrafierten die Brüder Wright von Kitty Hawk, North Carolina, an ihren Vater in Dayton, Ohio. |
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Der uralte Traum vom Fliegen hatte sich erfüllt. Schon 1998 setzte der US-Kongress eine Hundertjahrfeier- Kommission ein, die das Großereignis generalstabsmäßig vorbereitete. „12 Sekunden, die die Welt veränderten" und „Von Kitty Hawk bis zum Mond in 66 Jahren" lauten die hochfliegenden Botschaften, um Touristen aus aller Welt anzulocken. Herausgekommen ist ein Mammutprogramm mit Ausstellungen, Wettbewerben, Festivals sowie einer Vielzahl von Flugschauen, Ballonrennen und Drachenflügen. „The Wright Stuff' wird zur Corporate Identity von ganz North Carolina. Der Schauplatz des historischen Ereignisses liegt in Kitty Hawk, dem Tor zu den Outer Banks, einer Kette von schmalen Sandinseln, 200 Kilometer lang, die sich wie eine Sichel um die Atlantikküste legt. Pinienwälder, Marschland und Sanddünen prägen den Küstenstreifen. Bis vor einer Generation waren die Inseln noch entrückt, die Einwohner lebten abgeschieden. Brücken und Fähren halfen, die Outer Banks zu erschließen auch für den Tourismus. Es wurde in die Dünenlandschaft geklotzt, nicht hoch, aber viel. Kaum Hotels, aber jede Menge zweistöckige Ferienhäuser. Und was macht der Urlauber? Er geht baden, angeln, segeln, surfen, golfen oder den Geländewagen am Strand ausführen. Oder er besucht das Wright Brothers National Memorial. Der Geburtsort des Flugexperiments ist heute eine nationale Gedenkstätte. Ein weites, mit Gras bewachsenes Feld, im Hintergrund Gehölze und Bäume. Vor hundert Jahren war hier nichts als Sand, sagt Jim Cross. Der drahtige Park Ranger in Uniform erzählt die Erfolgsstory mehrmals am Tag, aber so anschaulich und fesselnd, als sei er damals selbst dabei gewesen. Es ist der 17. Dezember 1903. Ein kalter Wintertag. Windstärke 6. Um 10.35 Uhr wird das Seil losgelassen, das Fluggerät bewegt sich auf der Startschiene. Orville steuert bäuchlings den Flugapparat, Wilbur hält das Ende des Flügels. Als der Flyer diesen Punkt hier erreicht der Ranger zeigt ehrfürchtig auf einen Gedenkstein , hat er genug Geschwindigkeit und Auftrieb, um aus eigener Kraft abzuheben. Der erste Motorflug der Menschheit: 12 Sekunden lang. 36 Meter weit. Kürzer, als heute die Flügelspanne eines Jumbo 747 misst. Am selben Morgen machen die Wright Brothers noch drei weitere motorisierte Luftsprünge: Wilbur landet bei 53 Metern, Orville bei 61 Metern, dann wieder Wilbur. Rauf und runter hopst die fliegende Kiste durch die Luft, das Höhenruder ist schwer zu kontrollieren, und landet bei stolzen 260 Metern. Weltrekord! Erst dieser letzte Flug überzeugte die internationale Fluggemeinde, erklärt Ranger Cross, da er alle drei Kriterien erfüllt habe, die einen „richtigen" Motorflug ausmachen: Die Geschwindigkeit bleibt gleich, Start und Landeplatz liegen auf einer Höhe, die Strecke ist länger als 90 Meter. Vier Granitblöcke markieren die Landeplätze der Kurzstrecken. Heute spazieren Touristen kurz behost an ihnen entlang, beäugen sie wie Meisterwerke im Museum. Kinder lassen Papierdrachen in den wolkenlosen Himmel steigen, während auf der benachbarten „First Flight"Piste gerade eine Propellermaschine landet. Auf dem Big Kill Devil Hill, einem bepflanzten Sandhügel, thront ein Fliegerdenkmal anno 1932. In den Sockel des turmhohen Granitklotzes sind die Eigenschaften der Flying Brothers geritzt: „Genie, Entscheidungskraft und unbesiegbarer Glaube." Ihr originalgetreuer Flyer steht im Besucherzentrum Modell: ein tuch-bespannter Doppeldecker, dazwischen ein Gerippe aus Holzstangen, mit einem Motor und zwei Propellern. Der erste Flug fiel nicht vom Himmel. Die Karriere von zwei namenlosen Fahrradhändlem aus Ohio, die zu weltbekannten Flugpionieren aufstiegen, hatte irdische Gründe. Sie erbaten vom US Wetteramt Daten über die Windgeschwindigkeit und wählten Kitty Hawk, damals noch ein Fischernest, als geeignetes Experimentierfeld. Von 1900 bis 1903 machten sie 1000 Flüge mit immer größeren, raffinierteren Gleitern. „Die Wrights waren in allem übergenau, studierten Bücher über Bücher, benutzten wissenschaftliche Methodik", sagt Ranger Cross und schließt einen Holzschuppen auf. Der Nachbau des Camps, in dem die Wrights während ihrer Testflüge monatelang hausten. Zur Verdeutlichung sollen die arrangierten Vorräte dienen: Eier und Äpfel, Heinz' Erdbeerkonserven, Tomatendosen, Seal Brand Coffee, alle exakt auf Regalkante aufgestapelt. Von der Eroberung der Lüfte durch die Wrights bis zur militärischen Lufthoheit der USAir Force war es dann nur ein kurzer Zeitsprung. Der Wright Military Flyer von 1909 diente als erstes Militärflugzeug der Welt. Und so schlachtet heute auch die Luftwaffe die Jahrhundertfeier des ersten bemannten Motorflugs in ihrem Sinne aus. Die Air Force wirbt im Pavillon neben dem Museum. Für sich und um fliegerischen Nachwuchs. Ein Vater posiert stolz mit seinen vier Kindern zum Fotoschuss vor einem ultramodernen F/A22Kampfflugzeug. „Kitty Hawk ist der Ort, wo das Fliegen begonnen hat, und Fayetteville das, was aus dem Fliegen geworden ist", sagt der frühere Tourismusminister von North Carolina ungeniert. In Fayetteville regiert tatsächlich unübersehbar die Armee: Fort Bragg ist mit 45 000 Mann die größte Kaserne in den USA, die benachbarte Pope Air Force Base beherbergt weitere 5000 Soldaten. „Der Dank gilt unseren Truppen", steht auf einem Schild des Schnellrestaurants Burger King der Gruß an die Kriegsheimkehrer aus dem Irak. „Im Jahr 1991 wurden 50 000 Soldaten von hier zum ersten Golfkrieg eingezogen, die Stadt war praktisch acht Monate leer", so der Mitarbeiter des Museums der Luftlandetruppen. Das Museum ist ein Besuchermagnet. Tageslicht durchflutet die Lobby. Von der Decke hängen kontrastreich ein runder T5Fallschirm aus dem Zweiten Weltkrieg und ein moderner rechteckiger MC4Fallschirm, an welchen lebensgroßen Springerpuppen baumeln. Zur. Vorführung kommen: der DDay in der Normandie, Vietnam, die Operationen in Grenada und Panama, schließlich Desert Storm. Der ultimative Kick ist aber eine Helikopterattacke live im Simulator. Am nächsten Mittag findet auf der Pope Air Force Base die militärische Flugschau statt. Der Höhepunkt des Festival of Flight in Fayetteville. Zehntausende verfolgen mit Feldstechern die Künstler der Lüfte. Über zweihundert Fallschirmspringer ergießen sich heute aus dem Himmel, eine museale JU zieht röhrend ihre Bahn, vietnamerprobte Helikopter zeigen einen Luftangriff. Zum Abschluss fegen sechs F16Bomber des Showteams über die Köpfe der Fliegergemeinde hinweg. Als sie am Boden ausrollen, schiebt eine Frau ihren Mann im Rollstuhl nah ans Flugfeld. Der Mann macht strahlend das Victory- Zeichen. Aus den Lautsprechern schallt ein „Gott segne Amerika!". Am Rande des Rollfelds steht die Replik eines Wright- Doppeldeckers von 1913 und findet kaum Beachtung. |
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Am 17. Dezember aber wird das Rad der Fluggeschichte in Kitty Hawk um ein Jahrhundert zurückgedreht. Um 10.35 Uhr wird ein Pilot versuchen, den ersten Motorflug in einem Wright'schen Fliegernachbau zu wiederholen. Wie Orville und Wilbur wird er sich auf das untere Deck legen und abheben. Vielleicht. .... |
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INFO * Anreise: US Airways fliegt von Frankfurt/Main nonstop nach Charlotte in North Carolina. Es gibt noch Flüge im Dezember für 614 Dollar (540 Euro) pro Person. Reservierung unter Tel. 01 80 / 3 00 06 09, Internet www.usairways.com. www.fistflightcentennial.org, www.firstflight.org sowie www.firstflightnc.com. * Museen: Die bedeutendsten Ausstellungen werden in Raleigh, der Hauptstadt North Carolinas, gezeigt. „Defying Gravity, Contemporary Art and Flight" (bis 7. März 2004) im North Carolina Museum of Art, www.ncartmuseum.org; „Pioneers of Aviation" (bis 29. 5. 2005) im North Carolina Museum of History, www.ncmuseumofhistory.org. *Auskunft: North Carolina Tourism c/o The Mangum Group, Sonnenstraße 9, 80331 München, Telefon 089 / 23 66 21 64, Internet www.mangum.de oder unter www.northcarolinausa.de.
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Einer wollte auch nach
oben- Gustav Weißkopf - war er schneller oben? |
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Das Flugjubiläum könnte so schön sein. Vor 100 Jahren hatte die Nachricht vom angeblich ersten erfolgreichen Motorflug in der Geschichte der Menschheit für weltweites Staunen gesorgt. Wilbur und Orville Wright machten Epoche. Bis heute gelten sie als Pioniere der Luftfahrt. Alles könnte so schön ungetrübt sein. Wäre nicht Gustav Weißkopf im Weg. Viele Forscher und Fachleute sind schon seit Jahren der Ansicht, dass ihm jener Ruhm gebührt, der erste Motorflieger im Luftmeer gewesen zu sein. Mehr als zwei Jahre kam Weißkopf den Fliegern aus North Carolina angeblich zuvor. Schon seit Jahrzehnten setzt sich eine Gruppe von Weißkopf Anhängern mit Vehemenz dafür ein, dass die Geschichte der Luftfahrt in diesem entscheidenden Punkt korrigiert wird. Wer kennt überhaupt Gustav Weißkopf? Wohl niemand, der sich nicht schon einmal mit der Pionierzeit des Fliegens befasst hat. Beinahe vergessen ist der aus dem Fränkischen stammende Tüftler, auch wenn ihn gelegentlich Lexika als ersten Motorflieger vermerken. Kurz und abenteuerlich ist es verlaufen, das Leben des Gustav Albin Weißkopf. Am 1. Januar 1874 kam er im Städtchen Leutershausen bei Ansbach zur Welt. Schon als Junge beschäftigte er sich mit Vogelflug und Fliegerei. Früh verwaist, fuhr der Jugendliche zur See und vertiefte dabei seine Kenntnisse in Sachen Wind, Welter und Takelage. Nach einem Schiffbruch beschloss er 1894, in die USA auszuwandern. Versuche mit Apparaten, die denen des von ihm bewunderten Otto Lilienthal glichen machten ihn kurze Zeit später der Fachwelt bekannt. Und eines Tages berichteten mehrere Zeitungen, Fachmagazine und Augenzeugen von seinem erfolgreichen Motorflug. Was war passiert? In Bridgeport, Connecticut, war Gustav Weißkopf, er nannte sich längst Gustave Whitehead mit einem zweimotorigen Eindecker unter den Augen seiner Mitarbeiter und einiger Nachbarn an den Start gegangen. Man schrieb den 14. August 1901. Die zwei selbst gebauten Motoren starteten durch, und mit einem Mal erhob sich so heißt es die Flugmaschine Nr. 21 vom Boden. Rund 800 Meter legte das Flugzeug angeblich zurück. So fragil der aus Holz, Bambus und Seide gebastelte Apparat auch wirkte: Er bewältigte seinen Jungfernflug, ohne Schaden zu nehmen. Gustav Weißkopf, der autodidaktische Einwanderer, wurde schlagartig bekannt. Da er in seiner Werkstatt Motoren baute, ging es ihm damals auch finanziell gut. „Doch dann kamen die Wrights", erzählt Herrmann Betscher, Erster Vorsitzender der Flughistorischen Forschungsgemeinschaft Gustav Weißkopf (FFGW). „Sie beanspruchten den ersten Motorflug für sich. Da sie eine mächtige Lobby hinter sich hatten, drängten sie nicht nur Weißkopf, sondern auch viele andere Erfinder ins Abseits." Als Schwindler verunglimpft habe Weißkopf nach einiger Zeit resigniert. Der passionierte Erfinder, der offensichtlich ein schlechter Geschäftsmann gewesen war erlitt in der folge ein finanzielles Desaster. Vergessen, verbittert und arm erlag Weißkopf am 10. Oktober 1927 einem Herzinfarkt. Kurz zuvor hatte ihn noch die Nachricht vom Atlantikflug des Charles Lindbergh erreicht. Das letzte Wort zum Thema Weißkopf war aber noch längst nicht gesprochen. Bereits in den 30er Jahren stießen amerikanische Forscher auf den Pionier. In den 60ern schwappte das Interesse an Weißkopf auch nach Leutershausen. Eine Forschungsgemeinschaft bildete sich, und man schuf ein Museum zu Ehren des Flugpioniers. Wer das 6000 EinwohnerStädtchen besucht, sieht den schnittigen Eindecker Nr. 21 als Metallkonstruktion auf einer mächtigen Steinsäule thronen, und zwar im Maßstab 1:1. Doch damit nicht genug. Um der Welt zu beweisen, dass Weißkopf die Möglichkeit und das Wissen besaß, ein funktionierendes Flugzeug zu konstruieren, bauten die Weißkopf Anhänger den Eindecker nach. Vor sechs Jahren hob Testpilot Horst Philipp auf einem Bundeswehrflugplatz in Manching bei Ingolstadt mit dem Gerät ab. Journalisten und Schaulustige verfolgten das Spektakel mit. Und staunten: Nr. 21 flog! „Das ist den WrightAnhängern in den USA bis heute nicht gelungen", sagt Matthias Lechner von der FFGW. „Dort haben Fachleute den Flyer l nachgebaut und bekommen ihn nicht in die Luft." Obwohl vieles dafür spricht, dass Weißkopf als Erster geflogen ist, erkennen einflussreiche Fachleute und Institutionen seine Leistung nicht an. Vor allem die renommierte Smithsonian Institution in Washington lässt sich laut Betscher und Lechner gar nicht erst auf eine Diskussion ein. Im Fall der Smithsonian Institution existiert sogar ein Vertrag aus dem Jahr 1948, der die Pioniertat der beiden Wrights zum historischen Dogma erklärt. Und nicht nur an dem angeblichen Flugerfolg, sondern auch an der Person Gustav Weißkopfs scheiden sich schon seit langem die Geister: Während die einen in ihm ein Genie sehen, halten ihn Kritiker für einen Hochstapler. Aber all das entmutigt die 100 Männer und Frauen der FFGW nicht. „Wir geben nicht auf, zeigt sich Betscher entschlossen. „Unser Ziel ist es, Gustav Weißkopf den Platz in der Geschichte zu verschaffen, den er verdient hat."
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